Abendphantasie

Friedrich Adrian Götzloff

Süßes Bild,

Schwebst mir vor mit leisem Sehnen!

Klagst mit wehmutsvollen Thränen,

Tief in Trauerflor verhüllt.

Süßes Bild!

Wonnezeit!

Ach! umstrahlt von Frühlingsmilde,

Froh in Tempe's Lichtgefilde,

Lebt' ich dir, o Zärtlichkeit!

Wonnezeit!

Thränen fließt!

Thauend, wie die kleine Quelle

Rieselnd, perlend, Well' an Welle

Über Blumen sich ergießt.

Thränen fließt!

Alles schweigt!

Kaum, daß, in des Westes Flüstern,

Unterm Schattendach des düstern

Tannenhains, der Halm sich beugt.

Alles schweigt!

Holder Traum!

Fliehe nicht auf Rosenflügeln;

Weile an des Baches Spiegeln;

Such nicht des Äthers Raum!

Holder Traum!

Es entschwand!...

So entfloh vor Psyche's Kuße

Amor, da mit holdem Gruße

Sie: Geliebter! Ihn genannt.

Es entschwand!