Die Forelle

Friedrich August Baumbach

In einem Bächlein helle,

Da schoß in froher Eil

Die launische Forelle

Vorüber, wie ein Pfeil:

Ich stand an dem Gestade,

Und sah' in süsser Ruh

Des muntern Fisches Bade

Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Ruthe

Wol an dem Ufer stand,

Und sah's mit kaltem Blute

Wie sich das Fischlein wand.

So lang dem Wasser Helle,

So dacht' ich, nicht gebricht,

So fängt er die Forelle

Mit seiner Angel nicht.

Doch endlich ward dem Diebe

Die Zeit zu lang; er macht

Das Bächlein tückisch trübe:

Und eh' ich es gedacht,

So zuckte seine Ruthe;

Das Fischlein zappelt dran;

Und ich, mit regem Blute,

Sah die Betrogne an.

Ihr, die ihr noch am Quelle

Der sichern Jugend weilt,

Denkt doch an die Forelle;

Seht ihr Gefahr, so eilt!

Meist fehlt ihr nur aus Mangel

Der Klugheit; Mädchen, seht

Verführer mit der Angel -

Sonst blutet ihr zu spät.