Wohl mit Seufzern ruf' ich
Friedrich August Naubert
Wohl mit Seufzern ruf' ich
Mein verlornes Glück,
Aber die Galeeren
Rudern davon.
Wie das Meer, o Mutter,
Vor den Rudern bricht.
Scheiden die Galeeren,
Scheidet all mein Glück.
Ach, und wie ich rufe,
Fliehn sie doppelt schnell!
Wer auch mag sie halten,
Wenn der Wind sie treibt?
Flügelt sie doch selber
Meiner Seufzer Hauch,
Die ich doch nur sende
Sie zurückzuziehn.
Ach, ihr Fliehn, ihr Bleiben,
Alles ist nur Zwang,
Und es schmerzt das Scheiden,
Und das Bleiben schmerzt!
Wohl mit Seufzern ruf' ich
Mein verlornes Glück,
Aber die Galeeren
Rudern davon.
Wer mag anvertrauen
Häusern, die entflieh«,
Eine treue Liebe,
Die so fest besteht?
Wenn so leicht sie stiegen,
Sprecht, wo ruhn sie aus?
Denn wer also eilet,
Strauchelt gar zu leicht.
Die krystallnen Wogen
Trifft der Nuderschlag,
Und bei jedem Schlage
Aendert sich das Meer.
Ach, das Meer ist treulos,
Treulos ist der Wind;
Einzig meine Seufzer
Bleiben ewig gleich.
Wohl mit Seufzern ruf' ich
Mein verlornes Glück,
Aber die Galeeren
Rudern davon!