Hell, mit Blüten überschleiert

Friedrich Heinrich Himmel

Hell, mit Blüten überschleiert,

Lauscht des Hains geweihte Nacht,

Wo die Gottvermählte feiert;

Aber eine Stimme wacht.

Psyche schwebt durch Rosenzweige;

Alles blüht in heiterm Licht.

Stimme der Entführung, schweige!

Aber ach! sie schweiget nicht.

Psyche, trotz dem Warnungsrufe,

Hört den Zauberton der Welt,

Neigt sich von der Götterstufe

Lüstern nieder, horcht - und fällt.

Psyche fällt! ein dunkles Ahnen

Zittert um die Büßerin,

Wie das Graun erzürnter Manen,

Durch die sanften Rosen hin.

Schatten sind's, die sie umgeben.

Wie ein holdes Traumgesicht,

Schwand der Gott aus ihrem Leben,

Nur aus ihrem Herzen nicht.

Blühte das Gesträuch nicht röter,

Das in Kronen sich ergoß,

Als der reine Himmelsäther,

Noch um Psyches Wange floß?

Ach! die Schuld im Busen schattet

Tief herauf in ihren Blick;

Seufzer flehn, von Gram ermattet,

Den verlornen Gott zurück.

Alles stumm, wo Psyche wallet;

Nur ein leis' entwehtes Ach,

Das den Hain durchgirrte, hallet

Ihr die Felsentochter nach.

Auch den Gott, der alle Ketten

Des gedrückten Lebens bricht,

Ruft sie an, sie zu erretten;

Doch der Gott erhört sie nicht.

Seine finstern Schrecken zeigend,

Naht der stille Genius,

Und versagt ihr, ernst und schweigend,

Den erflehten Friedenskuß.

Endlich ist es ihr gelungen,

Abzubüßen ihre That;

Endlich hat sie ausgerungen;

Die Erlösungsstunde naht.

Hohes, himmlisches Erbarmen

Geht ihr auf, wie Sonnenblick;

Psyche kehret zu den Armen,

Denen sie entsank, zurück.

Lichte Kronen in den Händen,

Nahn die Götter sich, und weihn,

Psyches Gottheit zu vollenden,

Sie zur Braut des Himmels ein.