Lebewohl

Friedrich Hinrichs

Morgen muß ich weg von hier

Und muß Abschied nehmen;

O du allerhöchste Zier,

Scheiden das bringt Grämen.

Da ich dich so treu geliebt

Über alle Maßen,

Soll ich dich verlassen.

Wenn zwei gute Freunde sind,

Die einander kennen,

Sonn' und Mond bewegen sich,

Ehe sie sich trennen.

Noch viel größer ist der Schmerz,

Wenn ein treu verliebtes Herz

In die Fremde ziehet.

Dort auf jener grünen Au

Steht mein jung, frisch Leben,

Soll ich dann mein Lebelang

In der Fremde schweben?

Hab' ich dir was Leids getan,

Bitt' dich, woll's vergessen,

Denn es geht zu Ende.

Küsset dir ein Lüftelein

Wangen oder Hände,

Denke, daß es Seufzer sein,

Die ich zu dir sende:

Tausend schick' ich täglich aus,

Die da wehen um dein Haus,

Weil ich dein gedenke.