Herbstlied
Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen
Der Herbst beginnt:
Schon saust der Wind
Und raubt die Blätter den Bäumen.
Die Störche ziehn,
Die Schwalben fliehn,
Es schweigen Grillen und Heimen.
Komm immer zu!
Auch schön bist du,
In deinem falben Kranze!
Du gibst uns Most,
Der scheucht den Frost
Und macht uns fröhlich zum Tanze.
Beginnt den Reihn
Und laßt uns freun,
Wohl bei Schalmeien und Leiern!
Mit Früchten mild
Sind sie gefüllt
Die Keller, die Böden, die Scheuern.
Der kalte Nord
Mag immerfort
Die öden Stoppeln durchblasen!
Uns kümmert nicht
Sein wild Gesicht;
Ei, mag er sausen und rasen!
Das schnelle Jahr
Eilt immerdar
Auf Sonnenfittigen wieder;
Im Jugendglanz
Und Veilchenkranz
Bringt's bald der Frühling hernieder.