Die Waldhexe

Friedrich von Wickede

Vorbei, vorbei zu Feld und Wald

zu Roß in wilder Eile,

was willst du schwebende Gestalt

mit deinem Wink zur Weile?

Mein Bett ist nicht auf grüner Haid

und nicht im schatt'gen Walde,

es wartet mein die schönste Maid

und Liebe ruft: "komm balde!"

Laß ab, laß ab begleitend Weib,

dein Arm ist viel zu luftig,

dein Blick zu todt, dein schlanker Leib

zu kalt und nebelduftig.

Mein Lieb hat weiß'ren Arm als du,

hat Augen wie zwei Sterne,

und küßt und herzt und lacht dazu.

Was drohst du mir von ferne?

Der Reiher kreischt, es schlägt das Roß

die blutgespornten Flanken,

das Weib wird dreist und riesengroß

und wilder die Gedanken.

Vorbei, vorbei wie Fittig rauscht,

es nickt herab vom Baume,

es huscht und hascht, es lugt und lauscht,

schon greift sie nach dem Zaume.

Jetzt hat sie seinen Arm gefaßt,

umher beginnt's zu dunkeln,

es schwillt herauf, es drückt die Last,

des Weibes Augen funkeln.

Zwei Sprünge vom gestürzten Thier,

da liegt im dunkeln Walde

der Reiter todt im Arme ihr

und Liebe ruft: "komm balde!"