Das Lieblingsplätzchen
Friedrich Wilhelm Berner
Wohl kenn ich ein Plätzchen, da wohnt' ich so gern;
Da ist man dem Wirrwarr der Menschen so fern;
Da lebt man so einsam und stille für sich;
Da lebt' ich für Liebchen, und Liebchen für mich.
Wir bauten ein Hüttchen von Strauchwerk umheckt,
Das bliebe den Blicken des Neides versteckt;
Das wäre für hohe Besuche zu klein;
Doch kehrte wohl öfters der Freund bei uns ein.
Um's Hüttchen her würde der Garten geführt,
Mit Bäumen und Blumen gar stattlich verziert;
Und suchten am Abend wir Stille und Ruh',
So eilten der Laube von Geisblatt wir zu.
Da kos'ten wir traulich die Stunden dahin,
Bis dichtere Schatten die Landschaft umziehn:
Dann wallten, umleuchtet vom silbernen Schein
Der Sterne, wir wieder ins Hüttchen hinein.
Genössen mit Danke das ländliche Mahl,
Und Liebchen kredenzte den vollen Pokal:
Bald winkte der Schlummer zur nächtlichen Ruh',
Dann drückten wir küssend die Augen uns zu.