Vor dem Fenster der Geliebten
Friedrich Wilhelm Berner
Durch der Nacht vertraute Stille
Steigt mein Lied zu dir empor.
Deine Wünsche sind mein Wille,
Neig' auch meinen -- Herz und Ohr.
Liebe nimmt und gibt so gern,
Liebe winkt der Abendstern.
Was der Himmel rings umschattet,
Ruht der Lebensbande los.
Selbst Orion sinkt ermattet
In der Thetis dunkeln Schoß.
Ich nur irr' umher allein,
Sehne mich bei dir zu sein.
Tageslast hab' ich getragen,
Viel gestrebt und viel gedacht.
Aber rastlos und mit Zagen
Fragt mein Geist, was ist vollbracht?
Nur an Deiner Brust ist Ruh,
Liebe flüstert Hoffnung zu.
Freunde hab' ich lau befunden,
Menschen ohne Menschlichkeit.
Träufl' in meiner Seele Wunden
Deiner Unschule Seligkeit.
Du bist gut. Das heilt die Pein.