Der Abend
Friedrich Wilhelm Rust
Purpur malt die Tannenhügel
Nach der Sonne Scheideblick,
Lieblich stralt des Baches Spiegel
Hespers Fackelglanz zurück.
Wie in Todtenhallen düster
Wirds im Pappelweidenhain,
Unter leisem Blattgeflüster
Schlummern alle Vögel ein.
Nur dein Abendlied, o Grille!
Tönt noch, aus bethautem Grün,
Durch der Dämmrung Zauberhülle
Süße Trauermelodien.
Tönst du einst im Abendhauche,
Grillchen, auf mein frühes Grab,
Aus der Freundschaft Rosenstrauche
Deinen Klaggesang herab:
Wird mein Geist noch stets dir lauschen,
Horchend wie er jetzt dir lauscht,
Durch des Hügels Blumen rauschen,
Wie dies Sommerlüftchen rauscht!