Frage nicht!
Fritz Böhme
O frage nicht,
Was auf des Auges stillem Grunde
Mir oft wie eine Thräne bebt,
Was schüchtern oft von meinem Munde
Wwie ein verstohlner Seufzer schwebt!
Es ist ein Wort, unausgesprochen,
Ein selig goldnes Traumgesicht,
Und nur mein Blick, mein Herzenspochen
Verräth es dir -- o frage nicht!
O frage nicht,
Was ruhelos in deine Nähe
Mich wie ein Zauber mächtig bannt,
Warum ich dennoch seitwärts stehe,
Wenn du mich lächelnd kaum erkannt!
Von Schmetterlingen rings umgaukelt,
Genährt vom ersten Sonnenlicht,
Ein Röschen du, vom West geschaukelt,
Entblättert' ich -- o frage nicht!
O frage nicht,
Zu welcher früher Sonnenwende
Mein kurzers Leben sich gesenkt,
Zu welchem Abgrund, welchem Ende
Mein müder Fuß hinunterlenkt!
Dir sei die Welt ein ew'ger Morgen
Voll Maienglanz und Duft und Licht,
Was Schmerzen sind, dir sei's verborgen,
Leb' wohl, vergiß -- und frage nicht!