Du bist so schön

G. Bartel

Du bist so schön, ich wag' es nicht,

Dich anzuschauen,

Du schlanke Lilie hoch und licht

Im Kranz der Frauen;

Du Kön'gin sonder Hermelin,

Von deren Stirne Gnad' und Hoheit scheinen,

Du bist so schön -- o laß mich vor dir knien

Und stumm auf deine Füße weinen!

Ich kann die Wonne, kann den Schmerz

Nicht mehr verschweigen,

Ich kann nur flehn: Nimm hin dies Herz,

Es ist dein eigen.

Nimm's, deiner Huld wertlosen Raub,

Und blick' es an zwei selige Sekunden;

Dann wirf es hin und tritt es in den Staub,

Es hat des Heils genug gefunden.

Doch wisse, keines kann dir je

Wie dieses schlagen,

So weit beschwingt um Land und See

Die Winde jagen;

So weit das lichte Morgenrot

Dahinfleucht durch die Welt mit raschen Gluten,

Ist keins wie dies bereit, in sel'gem Tod

Sein Dasein für dich hinzubluten.