Der wandernde Knabe
G. Barth
Der Winter bläst auf Haid' und Moor,
Dem Bettler schließt sich jedes Thor.
An Thränen reich, doch ohne Habe,
Zieh' ich umher, ich armer Knabe.
Der Wind geht kalt, ich hab' kein Kleid,
Mich friert so sehr; mein Weg ist weit:
Muß immer fort am Wanderstabe,
Ich älternloser Bettlerknabe.
Einst hatt' ich auch ein Vaterhaus,
Und Mutterlieb' sah nach mir aus;
Es war im Thal, von Wald umfangen,
Wo Fink' und Meise heimlich sangen.
Doch nahm der Tod die Ältern mir,
Ich blieb allein bei Fremden hier:
Umsonst begehr' ich eine Gabe,
Ach, Niemand rührt der Waisenknabe.
Der Wind bläst scharf, es fliegt der Schnee,
Mich hört kein Mensch, so sehr ich fleh'!
So wandr' ich denn zum Älterngrabe --
Den Tod erbarmt wohl auch ein Knabe.