Vermächtnis

G. Bergmann

Wenn Tod mich übermannt, dann tragt

Mein Herz zu ihr, die mir gewogen

In süßer Liebe war und sagt,

Daß stets von Lust es war umflogen;

Laßt sie mit Thränen nicht begießen

Mein Herz, so rein und voller Pracht,

Doch auf das Grab laßt Wein mir fließen,

Vom Morgen bis zur späten Nacht.

Wenn stumm ist meiner Lieder Chor,

Dann tragt die Harfe in die Hallen,

Und hängt sie auf an jenem Thor,

Zu dem der Wandrer pflegt zu wallen;

Und wenn dann in Vorübergehen

Eine Barde in die Saiten greift:

Dann mag der schönste Ton erstehen,

Der je im Busen mir gereift.

Nehmt diesen goldenen Pokal

Und trinkt, wenn ihr dem Weingott fröhnet,

Und nie berühre ihn zumal

Ein Mund, der Schönheit je verhöhnet;

Doch wenn ein Liebender den Becher

Ergreift, und stille weint hinein:

Dann ist mein Geist bei euch, ihr Zecher,

Und segnet jeden Tropfen Wein!