Neuer Frühling
G. Dippe
Nun bricht die Sonne mit einem Mal
Hervor in lichtem Scheinen,
Da geht von den Bergen über das Thal
Ein leises wonniges Weinen.
Ein Schauer durchrinnt die ganze Welt,
Ein dunkles, süßes Sehnen,
Sie lächelt, vom Frühlingsschimmer erhellt,
In tausend seligen Thränen.
Da rührt sich manch ein dürrer Strauch
Und läßt von den Lüften sich kosen,
Er weiß: für seine Dornen auch
Kommt wieder die Zeit der Rosen.
So tröste dich, banges Menschengemüt,
Gib dich in Thränen zufrieden:
Ein Glück, das nicht zu ferne mehr blüht,
Ist wohl auch dir beschieden!