Die Mutter und ihr Kind

Donizetti, Gaetano

Ein weißer Schleier deckt' die Erde,

der Schnee in dichten Flocken fiel,

still stand der Strom auf wilder Fährte,

dem Laufe setzt Eis schon ein Ziel.

Als rings Natur in dem Winter erstarrte,

da saß eine Mutter in der dunklen Mansarde,

von Verzweiflung erfasst,

ach, und weinte so viel und sprach:

„Ein Brot, ein Brot, ach schenket mir ein Brot,

mein armes Kind stirbt Hungertod!

Dich zu entzieh'n des Unglücks Mächten

war mir nichts auf der Welt zu schwer;

rastlose Arbeit bei Tag und Nächten,

meine Kraft vermag es nicht mehr!

Als mich Verzweiflung fasste bei deinen Schmerzen,

rief ich nach Hilfe bei mitleid'gen Herzen,

ja, für dich, armes Kind,

hielt die Hand ich hin und sprach:

Ein Brot, ein Brot, ach schenket mir ein Brot,

mein armes Kind stirbt Hungertod!

Doch niemand, niemand wollte hören

mein Angstgeschrei, niemand mir gab.

Ach, der Hunger wird uns bald verzehren,

und morgen schon deckt uns ein Grab.

Ein Brot, gebt ein Brot,

ach, mein Kind stirbt Hungertod!

Ha! - ha, mein Kind ist tot, aus Hungertod!