Rothe Rosen
G. Erlanger
Von rothen Rosen sprach ich dir,
"Wie sie mein Herz gefangen,"
Und heute sehe ich vor mir
Die rothen Rosen prangen!
Es leuchtet ihre tiefe Glut
In's Herz mir neues Leben;
In ihrem Duft der Zauber ruht,
Der mich läßt Lieder weben!
Schau ich der Ros' in's Angesicht,
Umfängt mich tiefes Sinnen;
Denn ihre Färb' in Tönen spricht,
Die meine Seel' umspinnen:
"Roth wie die Rose glänzt das Blut,
Laß es die Kunst durchdringen!
In ihr dann auch der Zauber ruht
Mit dem wir Herzen zwingen
I.
Und wieder brach ein Knösplein auf,
Die Blätterhüllen sanken,
Die Sonne hemmte fast den Lauf
Als ihre Strahlen tranken
Den Thau, der in dem Kelche lag,
Erst wach geküßt vom jungen Tag!
Sei grausam nicht, du heißer Strahl,
Laß ab, den Thau zu rauben;
Es lernt die Ros' sich selbst zur Qual
An deine Macht doch glauben.
Allmälig mach' die Ros' erblühn,
Und dankerfüllt wird sie dir glühn! —
II.
O Rosen, ihr schmeichelt durch feinen Duft
Euch in die Seele mein!
Mir scheint, als ob die Liebe ruft
Leis kosend: laß mich ein!
Hüte dich Herz!
Durch Spalten, wären sie noch so klein,
Zu Lust und schmerz
Dringen Duft und Liebe wohl ein!