Hinweg mit Gram und Sorgen

G. Fink

Hinweg mit Gram und Sorgen,

So lang das Herz erwarmt!

Wer dies noch hat geborgen,

Der ist noch nicht verarmt.

Ihm raub' ein wüth'ger Krieg,

Was mühsam kaum erworben;

Sein Herz ist nicht gestorben,

Und so hat er den Sieg.

Er sieht die Zeiten brechen,

Das Vaterland versinkt;

Sein Zorn darf selbst nicht sprechen,

Auch Blicke sind verdingt;

Doch lebt nur noch das Herz,

Und schlägt in edle Flammen

An Freundesbrust zusammen,

Erhebt, erquickt auch Schmerz.

Woran sich Edle laben,

Was schön das Leben schmückt --

Der Musen holde Gaben,

Hat Mars in Staub gedrückt:

Doch stirbt's im Herzen nie;

Und will die Welt erblinden,

So wird Dein still Empfinden

Zur schönsten Poesie.

Die Faust hat jetzt nur Ehren;

Und wer durch schnödes Gold

Dem schnöndern Trieb kann wehren,

Nur dem sind Fürsten hold.

Doch bleiben Herzen rein,

So bleibt der Stamm, der gute,

Für Kinder, groß am Muthe:

Und dann wird's besser sein.

Was Glück uns einst gegeben,

Nimmt Glück nun wieder hin;

Doch über's Erdenleben

Reicht aus ein edler Sinn.

Lauft gegen diesen an

Mit Hohn und Schmach und Waffen:

Frei wird er sich entraffen

Auf höh're Himmelsbahn.

Drum weg mit Gram und Sorgen,

So lang das Herz erwarmt!

Dies hab' ich mir geborgen,

Und bin so nicht verarmt.

Nimm' alles, wüth'ger Krieg,

Was mühsam kaum erworben:

Mein Herz ist nicht gestorben,

Und so bleibt mein der Sieg!