Frühlings Einzug

G. Fischer

Es kommt aus fernen Reichen

Ein Prinz in unser Land

Mit lieblichen Gebräuchen,

Gleich wie sie dort bekannt.

Wir sahn zu Grabe führen

Den alten grauen Herrn;

Er wird uns nun regieren!

Uns scheint ein schöner Stern!

Und wie vor Herrn und Frauen,

Für die die Krone reift,

Voran durch Flur und Auen

Ein schöner Page läuft;

So eilt ein Duft der Freude

Dem Prinzen auch voran,

Mit himmelblauen Kleide

Als Page angethan.

Der Gnade Werke sprossen

Gleich aus des Herren Schooß;

Sie allen, die geschlossen,

Er läßt sie alle los.

Sie alle, die gefangen,

Er macht sie alle frei;

Es ist sein süß Verlangen,

Das alles Liebe sei.

Da hebt aus seinen Ketten

Das Wasser sich hervor;

Aus Schnee- und Eisesbetten

Springt alles froh hervor.

Es heben sich und glänzen

Die Blumen all' heran;

Es schwillt von tausend Kränzen

Des Prinzen Busen an.

Aus tausend Kehlen fliegen

Gefangne Lieder auf;

Das ist ein hold Bekriegen!

Ein schöner Wettelauf!

Auf Herzen, tief beladen,

Zieht aus gefangen Leid;

Beim süßen Ruf der Gnaden,

Geht, Schmerzen, gehet weit!

Und Alle woll'n sich zeigen,

Und bringen Ihren Dank;

Sie tanzen einen Reigen,

Da ist Musik und Sang.

Es zieht ein goldner Bogen

Sich durch die blaue Luft;

Da kommt der Prinz gezogen

Mit Spiel und Blumenduft.

Da willt auch keiner fehlen,

Und keiner bleibt zu Haus:

Die Thier in Wald und Hölen,

Sie schallen froh heraus.

Den Menschen sieht man gehen

Bald fern, bald nah hinzu:

Er kann nicht stille stehen,

Sein Herz hat keine Ruh'.

Sein Herz, vom Leid genesen,

Sehnt wieder sich nach Leid;

Man kann es nicht erlösen,

Es wird vom Weh erfreut:

Der Liebe Band' und Leiden

Erfreuen es allein;

Es will vom Leben scheiden,

Wenn nicht gefangen sein.

Der Herr, wie er sie findet,

Nimmt all' an seine Brust;

An seinem Herzen zündet

Sich Liebes-Weh und Lust.

Es bringt die schöne Gabe

Dem andern jeder hin;

Die Blumen zu dem Grabe

Des grauen Königs ziehn.