Geduld

G. Flügel

Es zieht ein stiller Engel

Durch dieses Erdenland,

Zum Trost für Erdenmängel

Hat ihn der Herr gesandt.

In seinem Blick ist Frieden

Und milde, sanfte Huld,

O folg' ihm stets hienieden,

Dem Engel der Geduld!

Er führt dich immer treulich

Durch alles Erdenleid,

Und redet so erfreulich

Von einer schönern Zeit.

Denn willst du ganz verzagen,

Hat er doch guten Muth;

Er hilft das Kreuz dir tragen,

Und macht noch Alles gut.

Er macht zu linder Wehmuth

Den herbsten Seelenschmerz,

Und taucht in stille Demuth

Das ungestüme Herz.

Er macht die finstre Stunde

Allmählich wieder hell,

Er heilet jede Wunde

Gewiß, wenn auch nicht schnell.

Er zürnt nicht deinen Thränen,

Wenn er dich trösten will;

Er tadelt nicht dein Sehnen,

Nur macht er's fromm und still.

Und wenn in Sturmestoben

Du murrend fragst: warum?

So deutet er nach oben,

Mild lächelnd, aber stumm.

Er hat für jede Frage

Nicht Antwort gleich bereit,

Sein Wahlspruch heißt ertrage,

Die Ruhstatt ist nicht weit!

So geht er dir zur Seite,

Und redet gar nicht viel,

Und denkt nur in die Weite,

An's schöne, große Ziel.