O flösse so mein Leben hin

G. Flügel

O flösse so mein Leben hin

Wie deine Wellen, schöner Strom!

Mit Sonn' und Sternen spiegelt drin

Sich früh und spät des Himmels Dom.

Am Morgen, wie am Abend,

Als gäb' es keine Nacht,

Rinnst weiter du, mich labend

Mit deiner blauen Pracht.

Und trüben deine Fluthen sich,

Nicht minder froh wallst du dahin;

Ja singest doppelt freudiglich

Dein Lied mit ungestörtem Sinn.

So strömst du viel' Jahrtausend,

Als wäre Nichts geschehn;

Wirst strömen, wie auch brausend

Noch einst die Stürme wehn!

O flösse so mein Leben hin

Wie deine Wellen, schöner Strom!

Und blieb' ich froh in meinem Sinn,

Ob trüb, ob klar des Himmels Dom!

Wie freudig eilst du weiter

Zum Meere sonder Leid:

O zög' auch ich so heiter

Zum Meer der Ewigkeit!