Welch heilger Morgenfrieden schwebt
G. Flügel
Welch heilger Morgenfrieden schwebt
Ob dir auch, grüne Wildniß du!
Nur Falter fliegen ab und zu,
Vom ersten Windhauch neu belebt.
Und hie und da ein Funken schimmert
Durch's nächtge Dunkel wunderbar,
Und in den Rosenkelchen flimmert
Des Himmels Thau noch, hell und klar.
Und brünstig auf dem höchsten Baum
Die Amsel singt ihr frommes Lied,
Und lieblich schwankt der Halm im Ried,
Als wie erwachend aus dem Traum.
Und sieh, als wollte sich entwirren
Die Wildniß ob dem Hauch und Schall,
So beben in dem Licht, dem irren,
Die Ranken und die Kräuter all.
O mir auch send' in's müde Herz
Von solchem Frieden einen Hauch,
Der du im tiefsten Wald den Strauch
Verstehst in seiner Sehnsucht Schmerz!
Ach, all die irrenden Gedanken,
Verklären sie zu selger Ruh,
Und von dem Bangen und dem Schwanken,
Herr, führe mich dem Glauben zu!