An die Lerche
G. Gerson
Lerche, schmettre aus der Höhe
nich dein Lied in meine Brust!
Wisse daß ich deinen Ton verstehe,
deine Liebe, Klag' und Lust.
Eh du warst, hab' ich geliebet,
wenn du todt bist, lieb' ich noch.
Singst du Freuden, die der Lenz dir giebet?
Lerche, o! verschweig sie doch;
Oder trillerst du dein Sehnen
in die weite Flur hinein?
Höre deine Brüder dich verhöhnen!
Sehnsucht auch muß heimlich sein.
Rufst du, einsam und gescheiden,
deinem fernen Liebchen zu?
Ich, ich wär' verschwiegen und zufrieden
Hätt' ich Flügel, so wie du.
Oder, Arme, macht dein Grämen
dir dein kleines Herz zu voll?
Schreist du, daß der Jäger dich vernehmen,
deine Leiden enden soll?
Schmettre denn aus deiner Höhe
weit und breit den Todten sang;
Glückliche, du darfst es.
Ich, ich gehe lang' und langsam meinen Gang.