An meine Frau Pathe

G. Gerson

Ich weine des Nachts und seufze am Tage

und habe doch leidlichen Muth.

Das Herz ist zu eng' und liebt seine Plage,

die Schmerzen thun weh und thun gut.

Ich weiß nich warum, und wenn ich nun rathe,

so denk' ich an meine Frau Pathe.

Da schlich ich im dunkeln Walde am Morgen,

Und wo ich war, mußte ich kaum,

Da nahm ich zur Tödtung heimlicher Sorgen

Mein Messer und schnitt in den Baum;

Und da ich's besah', was war es? man rathe!

Der Name von meiner Frau Pathe.

Da setzt' ich ins Gras mich nieder und weinte,

Da kam nun der König einher;

Die Königin fragt: Was ist dir? und meinte,

Daß Unrecht geschehen mir wär'.

Ich sagte: ich weiß nicht; was ich errathe:

Ich weine um meine Frau Pathe.

Was weinst du, sprach sie, lieblicher Knabe,

Um deine Frau Pathe dich todt?

Komm folge mir, sieh! was ich für dich habe,

Sind Kleider, und Pferde und Brod,

Und Liebchen so schlank wie Puppen am Drathe,

Viel schöner, als deine Frau Pathe.

Frau Königin, ich verseufze die Tage

Und habe doch Leidlichen Muth,

Das Herz ist zu eng' und liebt seine Plage,

Die Schmerzen thun weh und thun gut;

Ach laß mich nicht schönere Liebchen erwerben,

Für meine Frau Pathe mich sterben!