Aus Oehlenschlägers Sanct Hansaftenspil

G. Gerson

Es war ein alter Mann,

der nahm ein junges Weibchen,

gar schön und zart von Leibchen.

Da ging das Wesen an.

Er lächelte, er schmeichelt's.

Er küsst' es und er streichelt's

Allein das war sein Ziel -

und das war doch nicht viel!

Er lebt ein ganzes Jahr

mit seinem jungen Weibchen.

Das zarte, feine Leibchen

blieb immer wie es war.

Wie ich gesagt: Er schmeichelt's,

er küsst' es, und er streichelt's.

Allein — das war sein Ziel.

Und das war gar nicht viel.

Einmahl er sagte: Heut'

muss ich dich flux verlassen.

Mein Kind, du muss nicht spassen

mit fremde Männerleut.

Nicht deine Treu vergessen,

verbothne Speis' nich essen,

sonst krieg ich armer Mann

ein Stirn, mit Hörner dran.

Das Weibchen sagte: Ei!

Eh' will ich treu dir bleiben,

wenn solche Zeitvertreiben

dir giebt ein solch Geweih.

Der Mann giesst Freudeträhnen.

Er ging. Da kam mit Sehnen

ein junger Herr fürbas -

und alles sie vergass.

Als nun der Alte kam

gar spat und müd' zu Hause,

zum lieben Abendschmause

und hübsch sein Hut abnahm,

rief sie: Wie kannst du lügen,

und mich so arg betrügen?

Du böser, alter Mann!

Hast ja nicht Hörner an!