Einladung zum Tanze

G. Gerson

Ihr Nymphen, ihr Hirten

der liebe getreu,

hier kränzt euch mit Myrten

und feyret den May!

Hier unter den Reben,

die Bacchus gepflanzt,

Euch Schatten zu geben,

hier paart euch, und tanzt!

Euch grünet die Weide,

Euch blühet der Hain,

Euch ladet zur Freude

Die Nachtigall ein.

Dem Hasser der Tugend

Nag' Unmuth die Brust;

Der Unschuld und Jugend

Gebühret nur Luft.

Ja, Tugend und Freude

Sind ewig verwandt;

Es knüpfet sie beide

Ein schwesterlich Band.

Ein reines Gewissen,

Ein ehrliches Herz

Macht munter zu Küßen,

Zu Tanzen, zum Scherz.

Ihr Hirten, ihr Nymphen,

Es gab euch ein Gott

Die Gabe, zu schimpfen,

Und Mienen zum Spott;

Des Tanzes Verächter

Entweihen den Ort:

Erhebt ein Gelächter,

Und lachet sie fort!