Herr Michel

G. Gerson

Michel ward des alten

Pachter Martins Knecht;

doch nach wenig Wochen

fand er nichts mehr recht;

Kuchen mager, Butter alt,

Bette hart, und Stube kalt.

Wenn die Erbsenschüssel

auf dem Tisch erschien;

tunkt' er seinen Löffel

umgewendet drinn;

und dann sprach er spöttichlich:

klebst du dran, so eß ich dich.

Bald des Dienens müde

sann er hoch umher,

nahm ein Weib und dachte:

ha! nun bin ich Herr!

doch der Junggesellentraum

ist gar oft nur bunter Schaum!

Ach das eigne Tischen

deckt sich nicht so leicht,

wie's am fremden Heerde

manchem Michel däucht;

auch der unsre fand ums Jahr

diesen Spruch nur gar zu wahr;

Sehnte sich mit Schmerzen

aber ach zu spät,

nach der Erbsenschüssel

und dem harten Bett;

immer größer ward die Noth,

und die Sorg ums trockne Brot.

Nun zum alten Wirthe

tritt er flehend ein,

einen halben Scheffel

Erbsen ihm zu leihn;

jener schweigt und führet ihn

nach der Vorrathskammer hin.

Hier, am Erbsenhaufen

stehn sie still und stumm;

Martin, vor dem Scheffel

kehrt die Schaufel um,

stößt sie ein, und spricht für sich:

klebst du dran, so meß' ich dich!

Michel weint - der Alte

stehts und spricht mit Ernst:

Wohl dir, wenn du weinen,

und dich bessern lernst!

nimm die Erbsen zum Geschenk,

und sey meiner eingedenk!

Dächten alle jungen

Brüder Michels doch

an den Erbsenhaufen

und den Doppelspruch:

klebst du dran, so eß' ich dich!

klebst du dran, so meß' ich dich!