Liebeszauber

G. Gerson

Wenn ich liebe,

seh ich hell erglühen

alle trübe graue Wolken oben

wenn ich liebe,

seh ich rosig blühen

alle Stege immer

lacht dann in

Frühlingspracht

alles mir am Wege.

Wenn ich liebe,

Hör ich sanfter klingen

Alle nahe noch so rauhe Stimmen-

Wenn ich liebe,

Hör' ich lieblich singen

In der Ferne

Bald das Meer,

Bald das Wolkenheer,

Bald sogar die Sterne.

Wenn ich liebe,

Schmeckt nicht bloß der Wein mir

Aus dem goldnen festbekränzten Becher-

Wenn ich liebe,

Schenkt mein Mädchen ein mir,

Macht der Welle

Klare Fluth

Mich so wohlgemuth,

Wie die Nektarquelle.

Wenn ich liebe,

Athm' ich Ambradüfte

Selbst auf grauer, öder, wilder Heide-

Wenn ich liebe,

Wehen rauhe Lüfte

Milde Grüße;

Find' ich nur

Meines Mädchens Spur,

Sind es Zephyrküße.

Wenn ich liebe,

Fühl' ich alle wärmlich,

Lind, und sanft, und weich, und wohlbehaglich -

Wenn ich liebe,

Ist mir nichts erbärmlich;

Selbst die Lieder,

Die ich froh

Singe so und so,

Sind mir nicht zuwider.

Wenn ich liebe,

Wird nicht bloß erheitert

All mein innres Wesen; auch die Sinne,

Wenn ich liebe,

Werden mir geläutert:

Stiller, feiner,

Ohne Gier

Reichen alle mir

Gottes Gabe reiner.

Wenn ich liebe,

Bin ich ohne Sorgen,

Frei und frank, und fröhlich wie ein Engel-

Wenn ich liebe,

Frag' ich nicht nach Morgen;

Fürchte nimmer;

Wohlgemut

Find' ich Alles gut.

Darum lieb' ich immer.