An dem Grabe eines Freundes

G. Grossheim

Sanfte schläfst du nun den Todesschlummer,

Deine Leiden haben ihre Ruh',

Und dein Geist enteilt dem Erdenkummer

Seiner göttlichen Vollendung zu.

Blickest du aus deiner Sternensphäre

Auf die Pilgerfreunde noch herab,

Freund, so siehe mich mit heißer Zähre

Tiefer Rührung hier an deinem Grab!

Fühlst du nicht in deinem Regionen

Noch des Freundes letzten Abschiedskuß?

Nicht noch unter deinen Strahlenkronen

Deiner Liebe seligsten Genuß?

Eine Heilige mit stillem Beben

Steht der Liebling deiner Seele hier,

Und aus ihrem Engelauge schweben

Große helle Thränen über dir.

Klage nicht, das dich im Schlachtgefilde

Nicht des Krieges Donner niederschlug,

Daß nicht Fama mit des Künstlers Bilde

Deinen Namen durch die Völker trug!

Schöner stirbt man in dem Schoos der Seinen,

Als man Tod in Feuerschlünden sucht;

Schöner, wenn nur Freund' und Arme weinen,

Und kein Mund dem Schreckenshelden flucht.

Leichter sei die Erd' auf deinem Grabe!

Schmeichelei und Ruhmsucht drückt sie nicht.

Manchem Armen gabst du eine Gabe,

Manchem Traurigen ein froh Gesicht.

Wenn auch nicht der Ruhm die Adlerflügel

Über deine Marmorbüste streckt,

Weiß doch mancher Freund, daß dieser Hügel,

Eines Menschenfreundes Asche deckt.

Schlägt vom alten Thurm die Abendglocke

Deinem kleinen Dörchen seine Ruh',

Wall' ich oft noch an dem Knotenstocke

Meines Freundes stiller Wohnung zu,

Und die Rose, die ich jetzo pflanze,

Brech' ich dann mit süßer Schwärmerei

In des Mondes silberhellem Glanze,

Alles, alles Erdensinnes frei.