Der Frühlingsabend

G. Grossheim

Nicht dein schmelzender Zauberhall

lockt, melodische Nachtigall,

mich ins blühende Dunkel;

nicht im Wehen der Abendluft,

Nachtviol' und Tazettenduft,

noch des Taues Gefunkel.

Unter dämmerndem Sternenschein

wandl' ich Mädchen mit mir allein

durch die dunkleren Gänge.

O mein bebendes Herz umwühlt,

was ich nimmer zuvor gefühlt,

wundersames Gedränge!

Selbst wohl sinnet er jetzo nach,

was er hört' in der Laub' und sprach

und dem süßeren Schweigen.

Freundlich neigt' er sein Angesicht,

dass mir Wärm' an die Wange dicht

weht' im traulichen Neigen.

Wie sein bläuliches Auge nah

mir voll Seel' in die Seele sah,

wie so klar und beweglich!

Klar auch sah ich ihn selber an;

plötzlich ging der bescheid'ne Mann!

O wie war es ihm möglich?

Gehst du? stammelt' ich halb; mir nahm

Angst die Stimme hinweg und Scham;

Bleib doch, Jüngling, und rede!

Und wir waren ja ganz allein;

nichts als etwa der Sonnenschein

macht' ihn wahrlich so blöde!

Gingst du hier in dem Dämmerlicht,

das durch blühende Bäume bricht,

Jüngling, sagt' ich, du liebtest!

Und ich sähe dich freundlich an,

und du, allzu bescheid'ner Mann,

sicher glaub' ich, du bliebest!