Morgenwind
G. Hasse
Ein Wind strich über den Wellenschaum
Und sprach: Ihr Nebel gebt mir Raum.
Er grüßte die Schiffe: Nun steuert zu,
Matrosen, denn um ist die nächtliche Ruh!
Landeinwärts seinen Lauf er nahm
Und rief: Wacht auf der Morgen kam!
Zum Walde sprach er: Freudig braus'
Steck' all deine laubigen Banner aus!
Er rührte Waldvögleins flaumige Schwing'
Und sagte: O Vöglein, erwach' und sing'!
Und über's Gehöste streichend: O Hahn,
Trompete du hell, der Tag bricht an!
Er flüstert zum Felde im Ährengold,
Tu neige dich der Sonne hold!
Er fuhr jetzt durch des Thurmes Rund:
Verkünd' uns Glocke Stund' auf Stund'!
Er haucht über Friedhofs Heiligthum:
Schlaft zu, noch ist eure Zeit nicht um!