An die Stille

G. Höller

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Sehet, wie die klaren Sterne

Wandeln in des Himmels Aun,

Und auf uns herniederschaun,

Schweigend aus der blauen Ferne.

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Schweigend naht des Lenzes Milde

Sich der Erde weichem Schooß,

Kränzt den Silberquell mit Moos,

Und mit Blumen die Gefilde.

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Wenn nicht mehr des Wetters Wogen

Um den Himmel tobend ziehn,

Donner krachen, Blitze sprühn,

Blüht des Friedens stiller Bogen.

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Wo der Wellen rauh Getümmel

Schweigt, des Meeres Brausen ruht,

In der unbewegten Fluth

Glänzt der klare, blaue Himmel.

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Nicht zu Salems hohen Thoren,

Zu der Königsstädte Pracht

Stieg die heil'ge Wundernacht,

Aus des Urlichts Quell gebohren.

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

Engelchöre sangen Lieder

In des Nachthauchs leisem Wehn,

Und auf Bethlehms stille Höhn

Schwebten Seraphim hernieder. -

Wie schön bist du,

Freundliche Stille, himmlische Ruh! -

In des Kindes zarter Hülle,

In der heil'gen Mutter Schooß,

Auf der Krippe weichem Moos

Lag des ew'gen Lichtes Fülle!