Die Fee von Gastein

G. Hölzel

Leb wohl, Gastein, du holdes Tal!

Ich denke dein vieltausendmal.

Wenn es dämmert, wenn es dunkelt,

Stern an Stern vom Himmel funkelt,

steigt von eisbedeckter Höh'

nieder die Gasteiner Fee.

Schreitet tastend wie ein Blinder

an den Häusern ohne Laut,

segnet all die Menschenkinder,

die sich ihrem Schutz vertraut.

Jedem gibt sie das Geleite,

der ihr Zauberschloss verlässt,

geht ihm unsichtbar zur Seite,

blickt ihm in das Auge fest.

Und ein freudvoll leidvoll Sehnen

weckt ihr himmlisch sanfter Blick,

und sie flüstert unter Tränen:

Komm zurück, o komm zurück!

Horchend ihrer Quelle Rauschen

lehnt sie stumm am Felsenhang;

stundenlang kann sie dort lauschen,

stundenlang dem fernen Sang!

Leb wohl, Gastein, du holdes Tal!

Ich denke dein vieltausendmal.