Die Schildwache

G. Hölzel

Ich möchte wohl die Schildwach' sein,

Die jenes Haus bewacht,

Um unter Liebchens Fensterlein

Zu schildern Tag und Nacht.

Des Tages schreit' im stillen Lauf

Ich unten hin und her;

Sie schaut herab, ich schau' hinauf,

Was braucht die Schildwach' mehr?

Und wenn es schneit und wenn es stürmt,

So deck' ich mich in Ruh,

vom Schilderhause traut beschirmt

Mit meinem Mantel zu.

Dann seh' ich sie gleich morgens früh,

wenn sich ihr Vorhang regt,

und spät am Abend seh' ich sie,

wenn sie sich dann zur Ruhe legt.

Doch kommt sie sittsamlich einher

Und tritt aus ihrem Haus,

So präsentier' ich das Gewehr

Und rufe: Wache 'raus!

So halt' ich sie in steter Hut,

Sie kann in Frieden ruhn,

Und wer ihr was zu Leide tut,

Der hat's mit mir zu tun.

Kommt gar ein lüsterner Gesell

Dem Haus und ihr zu nah,

Den arretier' ich auf der Stell'

Und schreie: Halt, wer da?

Bei Gott, die Schildwach' möcht' ich sein,

Die jenes Haus bewacht,

Um unter ihrem Fensterlein

Zu schildern Tag und Nacht!