Glockengeläute

G. Hölzel

An einem sonnigen Morgen

Sah ich zur Kirche sie geh'n,

In ihrem reizenden Antlitz

War Jugend und Unschuld zu seh'n.

Die Glocken erklangen so helle,

So froh in die Weiten hinaus,

Als riefen vom Himmel sie Segen

Und Glück über jegliches Haus.

Umfasset von Wonnegefühlen

Erschien mir die Welt wie neu,

Und selig begann ich zu träumen

Von Liebe und Liebestreu!

Und wieder erklang es vom Thurme!

Doch aber so dumpf und so schwer

Als wären's dieselben Glocken,

Dieselben Töne nicht mehr.

Da trugen sie eine Leiche

Zum hüglichen Friedhofe hin!

Die mir die Treue gebrochen

Lag in dem Sarge d'rin.

Und als man mit Schollen bedecket

Die Blume, verwelkt so früh,

Fühlt' ich keinen Groll mehr im Herzen

Und sprach ein Gebet für sie.