Was soll unser Geist doch voll Hochmuth sein!

G. Jansen

Was soll unser Geist doch voll Hochmuth sein!

Wie Wolkengebilde, wie Blitzesschein,

Wie ein sinkender Stern, wie die Woge sich bricht,

Schnell trennt ihn das Grab von dem rosigen Licht.

Wie von Eichen und Weiden der Herbstwind streift

Die Blätter, und welk durcheinander sie häuft,

So wird Jugend und Alter des Todes Raub,

Der Fürst und der Bettler zerfallen in Staub.

Das Kindchen, der Mutter theuerstes Gut,

Die Mutter, der's eben am Herzen geruht,

Der Vater, der segnend sie beide umfaßt,

Sie alle erstarrten im Tode erblaßt.

Deine rosige Wange, dein leuchtender Blick,

O Mädchen, der Liebe, der Jugend Glück,

Sie liegen im stummen, im finstern Grab,

Mit ihm, der so glühende Küsse dir gab.

Die Königshand, welche das Scepter trug,

Der Priester, der Geister in Fesseln schlug,

Der Weise, der Held, den der Dichter uns preist: --

Verloren, versunken, von Würmen verspeist.

Der Bauer, der schwer sich durch's Leben geplagt,

Der Hirte, der flink über Felsen gejagt,

Der Bettler, der ängstlich die Gabe erspäht,

Sie schwanden, wie Gras von der Wiese gemäht.

Sie alle vergingen, wie Blumen verblüh'n,

Sie wichen, daß And're nach ihnen sich müh'n;

Nach Tausenden Tausend -- in Wonne, in Leid; --

Im ewigen Wechsel das Alte erneut.

Was unsere Ahnen -- das sind wir auch heut':

Dieselbe Natur unsre Blicke erfreut;

Wir trinken vom Quell, an dem sie auch geruht,

Es wärmt uns der nämlichen Sonne Gluth.

Wir denken nichts Neues, was sie nicht gedacht,

Wie sie, schreckt uns auch des Todes Nacht,

Wir klammern wie sie an dies Leben uns fest,

Das doch Alle im Fluge erlahmen läßt.

Sie liebten -- die glühende Herzen sind kalt;

Sie zürnten -- die Flüche sind längst verhallt;

Sie weinten -- die Augenhöhlen sind leer;

Sie jubelten -- Todte jubeln nicht mehr.

Sie starben, ja starben -- wir wandeln dahin,

Auf Blumen, die ihrem Moder entblüh'n,

Sind Gäste des Hauses, das sie sich erbaut,

Und schau'n, was die faulenden Wand'rer geschaut.

O Hoffnung, Verzagen, o Lust und Pein,

Ihr wechselt wie Regen und Sonnenschein,

Mit Lächeln und Thränen, in Nacht und Licht,

Wie Brandung auf Brandung am Strande sich bricht,

Wie ein Athemzug nur, wie des Auges Blick,

So kurz ist der Weg in das Nichts zurück,

So kurz vom Palaste zum Todtenschrein:

Was soll unser Geist da voll Hochmuth sein!