Wanderlied
G. Jenner
Lustig gewandert,
Lustig, Gesellen!
Es wandern die Wolken,
Es wandern die Wellen.
Wir ziehn wie der Sturmwind,
Durch Wald und durch Feld.
Und wo wir erscheinen,
Gehört uns die Welt.
Die Fässer, die alten,
Die können erzählen,
Wie gut wir geweckt
Ihre schlummernden Seelen.
Und, triffst du ein Mädchen
Wo sinnend am Bach,
Mit Grüßen von uns
Ruf' die Träumerin wach!
Wem einmal den Wandergruß
Zurief die Liebe,
Der folgt ihrem Zuge,
Wohin er ihn triebe.
Wer einmal verspürt hat
Den seligen Duft,
Den hält keine Hütte,
Den hemmt keine Kluft.
Ewig gewonnen,
Ewig verloren!
Und jeden Morgen
Sind neu wir geboren:
Ob Frost uns packt,
Ob der Mittag brennt, --
Dem Wandrer befreundet
Ist jed' Element.
Wir finden doch Abends
Die gastliche Hütte,
Wir ziehen das Glöckchen
Mit freundlicher Bitte.
So süßen Ton
Hört ein Wandrer allein, --
Und sollt' es auch endlich
Das Sterbglöckchen sein!