Weinlied
G. Kissling
Folianten und Postillen
Und Grillen in den Bann!
Wir sehn hier ohne Brillen
Die Welt uns lustig an.
Den Stirnen mürr'scher Alten
Mag Falten man verzeih'n,
Hier darf nur Freude walten,
Und König sei der Wein.
Dann wandelt, was uns drücke,
Zum Glücke sich, zum Scherz;
Dann auf des Klanges Brücke
Zieht Lust von Herz zu Herz:
Beim Wein von süßen Dingen
Zu Singen liebt der Mund,
Es wird bei solchem Klingen
Uns Leib und Seel' gesund.
Dir, Wein, du goldner König,
Ein tausendtönig Lied!
Dir sind wir gerne fröhnig
Allsammt in Reih' und Glied.
Laß deine Waffen winken
Und blinken, edler Held!
Du siegst, derweil wir trinken,
Dein, König, bleibt das Feld!