Das Lied vom blinden Hessen
Meyerbeer, Giacomo
Ich weiß ein teuerwertes Land,
Mein Herz ist zu ihm hingebannt,
Ich kann es nimmermehr vergessen:
Das liebe Land der blinden Hessen.
Nicht ist es sonnenreich und warm,
An Gold und Silber ist es arm;
Reich ist es nur an tausend Schmerzen
Und an der Treue Gold im Herzen.
Wenn einstmals auf der weiten Welt
Die Treu der Klugheit räumt' das Feld,
Sonst nirgend eine Ruhstatt hätte --
Das Hessenland bleibt ihre Stätte.
Ich wandre fremd in weiter Fern',
Hätt's aus dem Sinn geschlagen gern,
Doch unabläßig singt mir leise
Das Heimweh seine schlimme Weise.
Wo meiner Lieben Gräber stehn,
Wo meiner Fulda Wellen gehn
Und dunkle stille Wälder säumen,
Bin ich in Nacht- und Tagesträumen.
Herr Gott, wen einst mein Leben stirbt
Und seine erste Ruh erwirbt,
Laß mich in meiner letzten Wiegen
Daheim im Hessenlande liegen.
Es rauschen dann in meine Ruh
Der Fulda Wellen immer zu,
Als sänge mir die Mutter wieder
Die alten lieben Schlummerlieder.