Festgesang

Meyerbeer, Giacomo

Wohl bist du uns geboren,

Gestorben bist du nicht:

Du lebst so unverloren,

Wo deutsche Zunge spricht.

Du giebst uns großer Meister,

Ein einzig Vaterland --

Die Brüderschaft der Geister,

Das ist der Einheit Band.

Dein Wort hat uns gestählet,

Dein Lied uns Trost gebracht;

Dein Hauch hat uns beseelet

Am großen Tag der Schlacht.

Mit Tell's Geschoß ein Rächer,

Stehst du in neuer Zeit --

Der ist der Kettenbrecher,

Der uns den Geist befreit.

Du hast in ew'ge Töne

Das flücht'ge Wort gebannt,

An höchste Menschenschöne

Die höchste Kraft gewandt.

Hell brennt in deutschen Busen

Dein heilig Feuer noch --

Die liebste deiner Musen,

Das war die Freiheit doch.

Nie hat der Dichtung Flamme

Ein edler Haupt geschmückt,

Du hast dem ganzen Stamme

Dein Siegel aufgedrückt.

Wie weite Lande lichter

Im Abendfeuer stehn --

So darf dein Volk, o Dichter!

In deinem Purpur gehn.

Wir stehen, deine Erben,

Getrennt, doch ungebeugt:

Das Volk kann nicht verderben.

Das solche Männer zeugt.

Den du gestreut, der Same,

Er schießt in Ähren schon --

Gesegnet sei dein Name,

O Deutschlands liebster Sohn!

Ihr Völker nah und ferne,

Jauchzt unterm Himmelszelt:

Die Denker und die Sterne,

Sie leuchten aller Welt.

Sprich, Genius, dein „Werde!”

Bis jede Schranke fiel --

Die Menschheit und die Erde:

Ein Volk, ein Land, ein Ziel!