Ständchen

Meyerbeer, Giacomo

Zu des Mondes sanftem Schimmer

Schickt sich wohl ein sanftes Lied,

Das mit seinem Lichtgeflimmer

Still in offne Herzen zieht.

Wenn die Strahlen freundlich fallen

Auf das Liebe Fensterlein,

Schleicht wohl auch des Liedes Schallen

Unbemerkt such mit hinein.

Licht und Klang soll sich vereinen

Zu der Liebe treuem Flehn,

Jenes hold ihr Haupt umscheinen,

Dieser mild ihr Ohr umwehn!

Wenn sie wacht, so zaubre leise

Licht und Klang das Aug' ihr zu

Und verweb' auf Wunderweise

Still mein Bild in ihre Ruh'.

Wenn sie schläft, so rufe leise

Licht und Klang sie wieder wach,

Lock' auf wunderbare Weise

Ihr Gefühl sich schmeicheld nach.

Locke sie zum Fenster wieder,

Unter dem ihr Sänger steht,

Bis vom treuen Munde nieder

Ihm ein Laut der Liebe weht.

Lasse sie ergriffen lauschen,

Lasse sie den Vorhang ziehn,

Zweifelnd, ob die Strahlen rauschen,

Ob die Töne strahlend glühn.

Noch ein Griff dann in die Saiten,

Noch ein Gruß mit voller Macht,

Noch ein stiller Wink vom weiten,

Und dann -- gute, gute Nacht!