Weihnachtsgruss

G. Rauchenecker

Verhallt sind längst die frohen Lieder,

dir uns der holde Lenz verlieh'n;

Nun trägt die weite Erde wieder

den winterlichen Hermelin,

ein Schneegewand auf Busch und Hecke,

auf Thal und Hügel, Strom und Land.

Kristallen blinkt des Eises Decke,

die ausgebreitet Gottes Hand.

Und Nebel senken sich und steigen

Und finstre Schatten hüllen sacht die Welt,

die Welt in kaltes, totes Schweigen,

in tiefe winterliche Nacht.

Dem Dunkel floh des Mondes Schimmer,

der Sternlein Licht am Himmelszelt;

und nur der Schnee mit bleichem Flimmer

dem Wandrer schwach den Pfad erhellt.

Da plötzlich durch der Wolken Dunkel

Ein heller Stern die Bahn sich bricht!

Und wunderbar ist sein Gefunkel,

in Majestät erglänzt sein Licht!

Und horch ein Flüstern und ein Rauschen

fernher geheimnisvoll erklingt!

Der Wandersmann hält an zu lauschen

Und heil'ge Andacht ihn durchdringt.

Der eh'rne Mund der Feierglocken

Des nahen Dorfes tönend spricht

Mit süss melodischem Frohlocken:

Vom Heil der Welt und seinem Licht!

Und sieh! Schon regt sich's allerwegen:

Aus Haus und Hütte durch die Nacht

Grüsst glückverheissend ihm entgegen

Der Christnachtkerzen gold'ne Pracht.

Und freudig heisset man willkommen

im Vaterhaus als Weihnachtsgast

den Wandrer der den Weg genommen

zur heimatlichen Sabbatrast.

Zu dir, o Nacht, du einzig hehre,

der Engel Grüssen ladet ein:

Gott in der Höh' soll Lob und Ehre

Und Friede allen Menschen sein!