Sommernacht

G. Rebling

Nun breitet ihre dunklen Flügel

Die Nacht auf Garten, Feld und Wald;

Dort taucht der Mond herauf am Hügel,

Und auch der letzte Laut verhallt.

Die Blume nickt am Rand der Quelle,

Der Vogel schläft auf schwankem Ast,

Und friedlich ruhn an sicherer Stelle

Die Menschen von des Tages Last.

Da schwebt ein Engel durch die Räume

Und singt und spielt ein heilig Lied;

Ein Schauern zittert durch die Bäume,

Wo segnend er vorüberzieht.

Er segnet Obst und Korn und Reben

Und träuft den Tau auf Blüt' und Blatt;

Er segnet im Vorüberschweben

Die Schläfer auf der Lagerstatt.

Er senkt in ihre Brust den Frieden,

Taucht in Vergessenheit den Schmerz,

Und die durch Zeit und Raum geschieden,

Die führt er liebend Herz an Herz. --

Und wenn der Morgenstern dann wieder

Erlischt in Wolken, goldgesäumt,

Da hebt der Mensch vom Schlaf die Glieder

Und sinnt, wie er so schön geträumt.