Sonntag

G. Rebling

O Sonntag, stiller Gottesengel,

Du kommst in diese Welt voll Mängel

Ein Bote unsers lieben Herrn;

Noch herrscht im Thale tiefes Schweigen,

Da eilst du schon vom Berg zu steigen,

Begrüßt vom frühen Morgenstern.

Und angeglüht von seinem Strahle

Trägst du die volle goldne Schale

Und wanderst still von Haus zu Haus,

Und bringst ihn uns, den heil'gen Frieden,

Den uns der Werktag nicht beschieden,

Und segnend gießest du ihn aus.

Und fort und fort aus deinem Munde

Ergeht an uns die frohe Kunde

Von ihm, der uns das Heil erwarb,

Der unsre Strafe hat getragen

Und der, für uns ans Kreuz geschlagen,

Am Kreuze für uns litt und starb.

Du rufst, du nahst, die Schranken fallen,

Ein heil'ger Geist weht in uns Allen,

Kein Bruder steht dem Andern fern,

Und was die Woche hielt geschieden,

Das einigt sich in deinem Frieden

Und dienet liebend einem Herrn.