Sei du mein eigen
G. Stehmann
O mit der ganzen Kraft der Liebe
Sei du mein eigen, o sei mein,
Laß wachsen alle deine Triebe
In mein getreues Herz hinein!
Ich kann nicht dich, du mich nicht meiden,
Mein Herz liebt deins und deines meins,
Da gibt's kein Ende, gibt's kein Scheiden,
Für alle Zeiten sind wir eins.
O fürchte nicht, daß nichts dir bliebe
Für jene, deren treu du denkst,
Wenn mit dem ganzen Schatz der Liebe
Du überschwänglich mich beschenkst.
Das eben ist der Liebe Segen,
Daß jede Mißgunst sie entfernt,
Und daß in ihr man allerwegen
Die Menschen recht erst lieben lernt.
Sagst du's nicht selbst, daß deinem Leben
Jetzt erst das höchste Glück ersprießt?
Wer aber hat mit Wonnebeben
Beim ersten Athmen dich begrüßt?
Wer ist sich immer gleich geblieben,
Wer zog dich auf, so gut, so rein?
Und sollte jetzt dein dankbar Lieben
Nicht tausendfach gesteigert sein?
So hat mit Einer Gab' aufs Neue
Gott alle andern dir bescheert,
So wird durch Eine Lieb' und Treue
Erst jede andre Lieb' verklärt,,
O d'rum laß wachsen alle Triebe
In mein getreues Herz hinein,
Und mit dem ganzen Schatz der Liebe
Sei du mein eigen, o sei mein!