Gemüts-Ruhe

G. Telemann

In der Ruh vergnügter Sinnen

steckt das höchste Gut der Welt;

und diess Kleinod zu gewinnen,

braucht man weder stat noch Geld:

weil ein jeder stündlich sieht,

daß, wer heute trotzt und blüht,

morgen oft am Ruder zieht.

Äusserliche pracht und güter

sind ein Schein verdeckter list,

die vor niedrige Gemüter

ein geschmücktes Fallbret ist;

wer hier blind und sicher trit,

dessen unbedachter Schritt

nimmt die Reu in Abgrund mit.