Interessierte Heirat
G. Telemann
Ich liebe nur, was mich vergnügt,
Nicht, was nach Gelde kirrt;
Mein freies Herz wird nicht besiegt,
Wenn gleich der Beutel schwirrt.
Kein gold'ner Strick fängt meinen Fuß,
Kein heller Klang mein Ohr;
Die Redlichkeit
Geht allezeit
Bei mir dem Nutzen vor.
Was hilft es, wenn das Silber blitzt,
Und doch der Bräut'gam schielt?
Ein Mann, der stets beim Kasten sitzt,
Und in dem Sacke wühlt,
Theilt mit dem Mammon seine Gunst,
Die bloß der Frau gehört:
Sein Zeitvertreib
Macht, daß das Weib
Oft fremde Götter ehrt.
Kein Reichthum überwiegt das Weh,
Kein Thaler hilft der Braut,
Wenn ihr die Zwietracht in der Eh'
Zuletzt ein Zucht-Haus baut.
Das Ungewitter ist nicht weit,
Wo gelbe Raben schrei'n;
Wer wollte nun
So thöricht thun,
Und ihm zum Schaden frei'n?
Bethörter Mund! ach, spare doch
Der Worte frechen Stolz!
Dein Umgang ist mir stets ein Joch,
Du selbst ein Marter-Holz.
Dieß Wörtchen bringt mir deinen Haß,
Der ficht mich wenig an;
Wie bald stöß't mir
Was Bessers für,
Das mich vergnügen kann?
Du aber, den des Himmels Schluß
Dereinst vor mich bestimmt,
Magst glauben, daß mein reiner Kuß
Von keiner Geldsucht glimmt.
Nimm also meinen ganzen Schatz,
Die reine Hand voll Blut!
Ein treues Herz
Ist sonder Scherz
Das beste Heirats-Gut.