An dich allein

G. Vierling

Wenn der Morgen erglüht, wenn die Sonne sich senkt,

Wenn die Nacht mich umdunkelt, -- mein Herz nur denkt

An dich, an dich, allein an dich.

Wenn die Freunde kommen, die Becher kreisen,

Beim Klange der alten, fröhlichen Weisen,

Da steigt mir auf eine süße Gestalt,

Wie ein Geist, der in alter Ruine wallt,

Und sie winket mir, und sie mahnet mich

An dich, an dich, allein an dich.

Wenn die Ehre mich sonst, wenn der Ruhm mich sonst trieb,

Verlassen ist alles, -- ein Sehnen mir blieb

Zu dir, zu dir, allein zu dir.

Die Freuden des Lebens vorüber ziehen,

Wie Stromes Gestade dem Aug' entfliehen;

Der Schiffer blickt der Ufer nicht an,

Ihn zieht's zu dem fernen Ocean --

So zieht es mich in heißer Begier

Zu dir, zu dir, allein zu dir.

Wenn mir Freude ja lächelt, so kommt sie von dir,

Und das Leid wird zur Lust mir, kommt es von dir,

Von dir, von dir, allein von dir.

Wie Zauberbande, die Keiner kann brechen,

Bis nicht die Lippen des Wissenden sprechen,

So mag auch die Welt mit allem Schmerz

Umsonst bestürmen mein liebend Herz,

Gebrochen kann's nur werden von dir,

Von dir, von dir, allein von dir.