Unter der Linde
G. Winter
Es stund eine Lind' in der Maiennacht,
die Luft war weich und trübe;
die beiden haben geküsst und gelacht,
die Nachtigall sang voll Liebe.
Sie haben sich ewige Treue geweiht,
sie sprachen von bangem Sehnen,
doch trug ein falsches Herz die Maid,
die Nachtigall sang von Tränen.
O Minne falsch, o Minne traut,
sie kosten unter der Linde.
Die Nachtigall sang so bang, so laut
ein Lied von Schuld und Sünde.