Die Heinzelmännchen

Gary Bachlund

Wie war zu Cölln es doch vordem

Mit Heinzelmännchen so bequem!

Denn, war man faul,... man legte sich

Hin auf die Bank und pflegte sich:

Da kamen bei Nacht,

Ehe man's gedacht,

Die Männlein und schwärmten

Und klappten und lärmten

Und rupften

Und zupften

Und hüpften und trabten

Und putzten und schabten...

Und eh' ein Faulpelz noch erwacht,...

War all sein Tagewerk... bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich

Hin auf die Spän' und reckten sich.

Indessen kam die Geisterschar

Und sah, was da zu zimmern war:

Nahm Meißel und Beil

Und Säg' in Eil';

Sie sägten und stachen

Und hieben und brachen,

Berappten

Und kappten,

Visierten wie Falken

Und setzten die Balken...

Eh' sich's der Zimmermann versah...

Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Noth,

Die Heinzelmännchen backten Brot.

Die faulen Burschen legten sich,

Die Heinzelmännchen regten sich --

Und ächzten daher

Mit den Säcken schwer!

Und kneteten tüchtig

Und wogen es richtig

Und hoben

Und schoben

Und fegten und backten

Und klopften und hackten.

Die Burschen schnarchten noch im Chor,

Da rückte schon das Brot,... das neue, vor.

Beim Fleischer gieng es just so zu:

Gesell und Bursche lag in Ruh.

Indessen kamen die Männlein her

Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.

Das ging so geschwind

Wie die Mühl' im Wind:

Die klappten mit Beilen,

Die schnitzten an Speilen,

Die spülten,

Die wühlten

Und mengten und mischten

Und stopften und wischten.

That der Gesell die Augen auf --

Wapp! hieng die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank

Der Küfer, bis er niedersank,

Am hohlen Faße schlief er ein,

Die Männlein sorgten um den Wein,

Und schwefelten fein

Alle Fässer ein

Und rollten und hoben

Mit Winden und Kloben,

Und schwenkten

Und senkten

Und gossen und panschten,

Und mengten und manschten.

Und eh' der Küfer noch erwacht:

War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt' ein Schneider große Pein:

Der Staatsrock sollte fertig sein;

Warf hin das Zeug und legte sich

Hin auf das Ohr und pflegte sich.

Da schlüpften sie frisch

In den Schneidertisch;

Und schnitten und rückten

Und nähten und stickten,

Und faßten

Und paßten

Und strichen und [guckten,

Und zupften und ruckten],

Und eh mein Schneiderlein erwacht:

War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,

Und macht sich diesen Zeitvertreib:

Streut Erbsen hin die andre Nacht,

Die Heinzelmännchen kommen sacht:

Eins fähret nun aus,

Schlägt hin im Haus,

Die gleiten von Stufen,

Die plumpen in Kufen,

Die fallen

Mit Schallen,

Die lärmen und schreien,

Und vermaledeien!

Sie springt hinunter auf den Schall

Mit Licht: husch, husch, husch, husch! -- verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort

Und keines ist mehr hier am Ort!

Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,

Man muß nun Alles selber thun,

Ein Jeder muß fein

Selbst fleißig sein,

[Und kratzen und schaben

Und rennen und traben]

Und schniegeln

Und biegeln

Und klopfen und hacken

Und kochen und backen.

Ach, daß es noch wie damals wär!

Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!